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Wo Worte noch Gewicht haben
und mit Farbe guten Ein-Druck hinterlassen ...

Konzept dieser Druckwerkstatt

Traditionspflege als Herzenssache
Die Buchdruckerei Nessing ist ein 1930 gegründeter Meisterbetrieb.
Seit 1979 (in 3. Generation) von Lutz Nessing, als Buchdruck-Handwerksmeister und Graphikdrucker geführt.
Er ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Berlin und der Handwerkskammer Berlin.

Schweizerdegen
Seit Anfang der 90er Jahre arbeitet Lutz Nessing in Personalunion: als Schriftsetzer – Maschinensetzer – Buchdrucker (sogenannter Schweizerdegen) und ist seit 2003 als Verleger tätig.

Die Schwerpunkte dieser Buchdruckerei
• bibliophile Druckerzeugnisse,
Buchkunst mit klassischem Bleisatz sowie
• Original-Buchdruck-Graphik
(bis zum Format 86 x 122 (130) cm) –
bereits seit Anfang der 80er Jahre.
Meine Auftraggeber sind überwiegend Künstler, Galeristen, Autoren, Verleger, als auch Freunde und Liebhaber von Bleisatz und Buchdruck.

Weitere Druckerzeugnisse
Auch für die Erzeugung konventioneller Drucksachen (Akzidenzen), für alltägliche, ausgefallene oder gehobene Ansprüche, wird diese traditionelle Technologie eingesetzt.

«Der Bildschirm bleibt ein Werkzeug, das wohl die Arbeit erleichtert, aber in keiner Weise das Wissen um das Erbe unserer Tradition erübrigt.»
(Adrian Frutiger)

Optimale technische Ausstattung
Um das breite Spektrum der Drucksachen optimieren zu können, wurde diese umfangreiche technische Ausstattung zusammengetragen.
Fachmännisches und besonders vielfältiges Arbeiten, in traditioneller Manufaktur, ist nur aufgrund dieser speziellen Bleischriften, als auch der unterschiedlichen Buchdruckpressen möglich.

Einzigartiges Ensemble
Im Jahr 2003 mußte die Werkstatt umziehen: mit etwa 20 Tonnen Maschinen, 30 Tonnen Schriften und Matrizen sowie allem Inventar, welches sich in über 70 Jahren erhalten hat.
Dieses einzigartige Ensemble, von Schriften, Maschinen und Einrichtung des 19. und 20. Jahrhunderts, ist hier auf 170 qm Werkstattfläche erhalten.

Umfangreichste Sammlung
Damit verfügt die Offizin über die umfangreichste ‹An-Sammlung› in Berlin, Brandenburg und weiter Umgebung, mit der noch immer, in traditioneller Art und Weise, täglich produziert wird.
Vielerorts sind klassische Buchdruckereien schon vor vielen Jahren wegrationalisiert worden.

Technischer Bestand

Alte, teilweise historische Buchdruckmaschinen
• eine Schnellpresse A Null, 86 x 122/130 cm
• ein Heidelberger Cylinder 54 x 72 cm
• eine Schnellpresse 50 x 70 cm
• zwei Grafopress-Tiegeldruckautomaten
• eine Kniehebelpresse 50 x 70 cm
• ein Boston-Handtiegel A 5
• Planschneidemaschine B: 130 cm
• div. Kleinmaschinen usw.

Verfügbare Satz- und Druckschriften
• Blei-Handsatz: etwa 650 Sätze/Fonts
• Linotype-Schriften: etwa 250 Sätze und
• Plakat-Holzschriften: etwa 350 Sätze

Das Wort verfliegt – die Schrift überdauert.

Die Schriften im Typographeum

Blei-Handsatz
Der große Fundus an klassischen und heutzutage seltenen Blei-Handsatzschriften, in alten und ‹neuen› Schnitten (etwa 650 Sätze/Fonts), verschiedenster Stil- und Zeitströmungen – von gediegen bis preziös – ermöglichen Literatur in Kleinauflagen, wie bibliophile Bücher, Künstlerbücher, Gedichte usw.

Typographie nach den Regeln der «Schwarzen Kunst»

«Bleilettern ... sind körperhafte, begreifbare Typen aus Schriftblei mit ästhetischen, verbindlichen Proportionen. Sie sind Ausdruck vielfältiger Erfahrungen der Schriftentwicklung – als Text noch geschrieben wurde und einigen hundert Jahren Ringen um gut lesbare Bleischriften – mit eigenen Charakteren und Sinn für Verhältnis und Ebenmaß ...»
(C. H. Meyer)

Linotype-Maschinensatz
Mit der Linotype-Setzmaschine (Modell 16, Bj. 1970) werden zahlreiche Antiqua- und Groteskschriften bis 18 p (etwa 200 Sätze) und Frakturschriften (etwa 50 Sätze bis 12 p), für kurze und lange Texte von Matrizen ff. in Blei gegossen und in kleinen oder großen Auflagen gebuchdruckt.

Fremdsprachensatz
Einige europäische Akzentsysteme (diakritische Zeichen), in verschiedenen Graden sowie russische Schriften, ermöglichen fachgerechten Fremdsprachensatz.

Schreibschriften, Schmuck & Zierrat
• Schreib-, Zier-, Pinselschriften (Varia) und
eigenartige Auszeichnungsschriften
• kästenweise Ornamente, Schmuckelemente, Zierlinien
und Zierrat verschiedenster Stilrichtungen
• ungezählte alte und kuriose Gelegenheits-Vignetten
(Accidenz-Klischees) sowie alte Holzstiche (Bildstöcke)
bilden das außergewöhnlich reiche typographische Beiwerk und laden zum Entdecken und spielerischen Umgang ein.

Plakat-Holzschriften
Für den Schriftplakatdruck, bis zum Format DIN A Null,
86 x 122 (130) cm, steht eine besonders umfangreiche Plakatschriften-Sammlung von über 350 variationsreichen Holzschriften zur Verfügung.
Reklameschriften verschiedenster Gattungen und die dekorativen Varianten sind hier versammelt – in ausgefallenen Charakteren und Schnitten bis 62 cic = 28 cm Größe (das Versal M dieser größten hölzernen Plakatlettern füllt ein DIN-A-4-Blatt).
Dazu noch Blickfang-Ornamente, Schmucklinien, Symbole und Zeichen aus Holz.

– – Für die Ausstellung «Stationen der Moderne» (der Berlinischen Galerie), 1988 im Martin-Gropius-Bau Berlin, wurde die «Erste Internationale DADA-Messe» von 1920 erstmalig rekonstruiert.
Gezeigt wurden Schriftplakate und Großphotos von (Marschall) George Grosz, (Dadasoph) Raoul Hausmann und (Monteurdada) John Heartfield – zusammen mit vielen anderen Erzeugnissen und Objekten verschiedener Dadaisten, wie Hannah Höch, Wieland Herzfelde, Johannes Baader, Otto Dix, Hans Arp, Max Ernst u.a.
Nur wenige Photographien der ursprünglichen Ausstellung waren erhalten – die Original-Schriftplakate sämtlich verschollen.
Die künstlerische Leitung und Ausführung der Rekonstruktion hatte der Berliner Künstler Michael Sellmann, selbst gelernter Schriftsetzer.
Nach langer Odyssee durch traditionelle Setzereien (in West- und Ostdeutschland) fand er sieben der acht verschiedenen Plakatschriften, welche 1920 benutzt wurden, in meinem Typographeum.

Die Buchdruckmaschinen

Die A-Null-Schnellpresse
ermöglicht Drucke auf Papierformaten bis 86 x 122 (130) cm.
Diese Stoppzylinder-Schnellpresse No. 10844 der Maschinenfabrik Johannisberg, Geisenheim am Rhein, Baujahr 1924, gehört zu den Besonderheiten der hier benutzten Druckmaschinen.
Diese Flachform-Zylinderpresse, mit Eisenbahn-Bewegung, Zylinderfarbwerk, Bogenwenderolle und Rechenauslage, hat zusätzlich einen Unger-Anlegeapparat.
Einige Tonnen Eisen setzen sich in Bewegung für Holz- und Linolschnitte, Holzschrift-Plakate sowie anderes Großformatiges.

– – Auf dieser Johannisberger Schnellpresse sind die ersten Jahrgänge der legendären Wochenschrift «Die Weltbühne» (1924–26 bei Dr. Brönner in Potsdam-Alt Nowawes) gedruckt worden.
1982 wurde die Maschine (etwa 9 Tonnen Gewicht) in Potsdam demontiert und in meiner damaligen Werkstatt, nach anderthalbjähriger Restaurierung, wieder in Betrieb genommen.
Im deutschsprachigen Raum ist das die letzte Buchdruck-Schnellpresse im DIN-A-Null-Format (86 x 122/130 cm), auf der noch immer produziert wird.

Weitere Druckpressen
• Der Original Heidelberger Cylinder:
54 x 72 cm, Baujahr 1953
• die Haltzylinder-Schnellpresse: 50 x 70 cm,
von Schelter & Giesecke, Leipzig, Baujahr 1925
• die zwei Grafopress-Tiegeldruckautomaten: Bj. 1989
• der Boston-Handtiegel: Format A5 sowie
• die Krause Kniehebel-Tiegeldruckpresse:
50 x 70 cm, etwa 150 Jahre alt
ermöglichen auch das Bedrucken von außergewöhnlichen Bedruckstoffen, wie hauchdünnen Japan-Faserpapieren, Packpapieren oder dicken Büttenkartons.

Kombinationsdrucke sind möglich
Medienmix: Buchdruck mit Radierung, Lithographie, Offset-, Digital-Druck oder Siebdruck.

«Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker. Der Künstler ist die Steigerung des Handwerkers.»
(Martin Gropius)

Notabene
Auf außergewöhnliche Druckerzeugnisse sind meist Künstler sensibilisiert, deshalb bilden diese überwiegend meine Kundschaft.

In enger Zusammenarbeit mit den Künstlern bin ich bemüht, größtmögliche Authentizität – so gut wie möglich, nicht so gut wie nötig – besonders bei der Original-Druckgraphik, zu erreichen.

Meine langjährigen Erfahrungen als Schriftsetzer und Buchdrucker, handwerkliche Beratung und mein künstlerisches Einfühlungsvermögen helfen im Prozeß der Entstehung eines Werkes.

In der Anwendung des klassischen Druckverfahrens (Bleisatz und Buchdruck), auf besonderen Papieren (z. B. Bütten- oder Japanpapier), welches hohe ästhetische Ansprüche erfüllt, wirke ich dem Trend, die visuelle und haptische Qualität zugunsten von Quantität zu vernachlässigen, entgegen.

Das Unverwechselbare des Buchdrucks entsteht durch kraftvolles, direktes Ein-Drücken der eingefärbten, erhabenen Stellen der Drucktypen (daher Hochdruck) mittels Anpreßdruck in das Papier.
Deshalb liegt die Druckfarbe nicht auf der Papierebene (wie beim Offset- oder Digitaldruck, wo das Papier nur beschichtet wird), sondern minimal tiefer.
Ein hauchdünnes Relief entsteht durch die scharf markierten Konturen. Den Schriftzeichen wächst durch die Schattenbildung mehr Dunkelheit zu.
Verstärkt wird dieser Effekt durch den kräftigen Farbschmitz – die Druckfarbe wird von der Mitte an den Rand der Type gequetscht.
Vom menschlichen Augensinn, das für dreidimensionales Sehen entwickelt ist, wird dies beim Lesen als angenehm empfunden.
Auf der Rückseite ist die Prägung, die Schattierung, mitunter zu ertasten ...

Museum? Werkstatt? Werkstattmuseum!

Diese historische Druckerei ist kein Museum im herkömmlichen Sinn, in welchem die Dinge aus der Distanz betrachtet werden können.
Sie ist eine traditionelle Satz- und Druck-Manufaktur, die mit «musealer» - weil vielerorts ausgestorbener – Technik ausgestattet ist.

In dieser lebendig produzierenden Druckwerkstatt in Gutenberg-Manier wird mit Überliefertem Neues geschaffen – mit der Technik von gestern und Menschen von heute entstehen Druckerzeugnisse für morgen.

Die Buchdruckerei Lutz Nessing ist eine der letzten klassischen selbständigen Buchdruckereien in Deutschland, in der das traditionelle Setzen und Drucken noch täglich praktiziert wird.

Vor mehr als 560 Jahren erfand Johannes Gensfleisch zum Gutenberg zu Mainz das komplexe System aus beweglichen wiederverwendbaren Bleilettern, welche den Buchdruck revolutionierte und in eine vorindustrielle Produktionsweise überführte.
Dieses Buch-Hochdruck-Verfahren etablierte sich 100 Jahre nach der Erfindung in Berlin.

Neue Technologien, Rechnersatz und Offset- bzw. Digitaldruck usw., lösten in den letzten 20 bis 30 Jahren beinahe vollständig die traditionelle Buchdruck-Kunst ab.
Deshalb habe ich die Verantwortung übernommen, die Erinnerung an ein unersetzliches historisches Kulturgut zu bewahren.

«Schwarze Kunst»
heißt diese nicht nur wegen der verwendeten Druckerschwärze.
Heute meist scherzhaft, nicht mehr im ursprünglichen Sinne gebrauchte Bezeichnung für die Buchdruckerkunst.
Der Name ist noch zur Zeit Gutenbergs im Volksmund entstanden und brachte zum Ausdruck, daß die damals lebenden Menschen in der Kunst des Setzens und Druckens etwas Geheimnisvolles, mit magischen Kräften verbundenes, sahen.
Weil über viele Handhabungen dieser Technologie geheimnisvolles Stillschweigen gebreitet, und diese in handwerklich akribischer Art alles herzustellen vermochte, was an Drucksachen gebraucht wurde, galt sie als Kunst und schien teufelsmächtig.
Druckkunst bzw. Buchdruck-Kunst waren im Sprachgebrauch Ausdruck der Achtung vor dem umfassenden Können der «Jünger der Schwarzen Kunst».
... Steht heute auch fürs Schwarzbierbrauen ...

Verlag der Nessing'schen Buchdruckerei

Nessing’sche Hefte – eine bibliophile Heft- und Lesereihe
vereinen traditionelle handwerkliche Buchdruck-Kunst mit der literarischen Form des Gedichtes.

Autorenlesung und Ausstellung
Die Autoren lesen auch am Ort der Manufaktur – zwischen alten Buchdruckpressen und Schriftregalen.
Zudem hat der graphische Künstler die Möglichkeit einer kleinen Ausstellung in den Werkstatträumen.

Gedichte und Druckgraphik
Ediert seit Frühjahr 2003 in loser Folge und limitierter Auflage von 550 Exemplaren – mit der Druckgraphik eines namhaften Künstlers.
Gefertigt mit Bleisatz und Buchdruck, Handheftung in Faden-Knotentechnik und traditionell nicht aufgeschnittenen Druckbogen.

Dazu die Vorzugsausgaben, mit zusätzlich beigelegter Druckgraphik, signiert und numeriert.

Ausführliches finden Sie im Untermenü
> Verlag + Nessing'sche Hefte

Anmerkung zum Verlag
In einer Zeit, wo geistige und manuelle Arbeit zunehmend weniger Berührungspunkte aufweisen, ist in der Buchdruckerei Lutz Nessing ein Ort für den Einklang ungeteilter, nicht entfremdeter Arbeit geschaffen worden.

Eigens für jede Edition wird die ideale klassische Antiquaschrift mit der Linotype-Setzmaschine von Matrizen ff. in Blei gegossen, mit Handsatz ergänzt und das sorgfältig ausgewählte Papier auf einer der Schnellpressen gebuchdruckt.

Hierzu steht ein heutzutage seltener – weil vielerorts wegrationalisierter – und besonders umfangreicher Fundus an klassischen Bleischriften (mit verschiedenen europäischen Akzentsystemen) sowie die größtmöglichen Druckpressen zur Verfügung.

Die Personalunion, wie bei Lutz Nessing, von Buchdrucker und Verleger – bis ins beginnende 18. Jahrhundert durchaus gebräuchlich – ist in unserer ‹virtuellen› Zeit ebenfalls kaum noch anzutreffen.

P.S. Auf Anwendung der neuen Rechtschreibung wurde verzichtet – macht es doch keinen Sinn, alte Unzulänglichkeiten durch neue zu ersetzen!

 

 

«Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme.» (Thomas Morus)