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Kuriosa:
Die Polygraphie oder das «Polygra-Vieh»?

Die «Himmlische Buchdruckerei»
Ein Spruch der «Gutenberg-Jünger» war u. a.:
«... wenn diese Schinderei so weitergeht, sei man sowieso bald in der himmlischen Buchdruckerei ...»

Das Sternbild «Buchdrucker-Werkstatt»
«Officina typographica» oder
«Atelier Typographique»
Die historische Konstellation befand sich östlich des «Sirius»,
zwischen «Großer Hund»,«Schiff» und «Einhorn».
Vom Berliner Astronomen Johann Elert Bode 1798 erstmals eingeführt – als astronomische Gutenberg-Ehrung – wurde es 1930 aber wieder umbenannt.
Liegt heute im nördl. Teil des Sternbildes Puppis
(Achterdeck des Schiffs).

Der Mondkrater «Gutenberg»
am nördl. Ende des Montes Pyrenaeus, zwischen dem
Mare Nectaris und der westl. Flanke des Mare Fecunditatis
und die
Nebenkrater «Gutenberg A bis K»

Die Rimae «Gutenberg»
Rillengruppe auf dem Mond

Der Kleinplanet «Gutemberga»
(Guttemberg bzw. Gutemberg, ehem. Namen für Gutenberg)
Asteroid, 1914 entdeckt

Ausführliches unter:
http://dkcmzc.chemie.uni-mainz.de/~pfeiffer/officina.htm

Käfer, Kerfe: Buchdrucker
«Ips typographus»
(etwa 50 Mio. Jahre alt), Kerbtiere, Art des Borkenkäfers,
bohrt als Rindenbrüter regelmäßige Freßgänge, die rechts und links vom Hauptgang fast spiegelbildlich verlaufen – nach dem Fraßbild benannt, wie beim Buchdruck: Druckform und Abdruck.

Bücherwurm
Anobium-Art, Larven verschiedener Nagekäferarten:
z. B. Klopfkäfer, Trotzkopf, Totenuhr, Brotbohrer (Brotkäfer)
bzw.
umgangssprachlich für «Vielleser»

Bücherskorpion
Chelifer cancroides (Pseudoskorpion), ca. 5 mm groß, lebt in alten Büchern, ernährt sich von Bücherläusen/Milben

Buchfink
!

Kommafalter
!!!

Gußmarken und Gußzeichen
Von großen und traditionsreichen Schriftgießereien wurden etwa ab 1876 Schutz- bzw. Gußsignets an den Seitenwänden ihrer Gußerzeugnisse, wie Ducktypen und Blindmaterial, angebracht.

Die individuell gestalteten Gußmarken, mit Namenszug bzw. Firmensignet, dienten den Herstellern als Markenzeichen bzw. als Musterschutz.

Es gab auch einfache Gußzeichen, als vertiefte runde, blinde Felder, welche beim Handmaschinenguß entstanden.
Bei diesem Herstellungsverfahren verursacht ein flacher Stift in der Gießform eine entsprechende stumpfe Vertiefung an den Gußerzeugnissen.

Nachträglich eingeprägte Firmenzeichen waren selten.

Viele Gußmarkierungen verschwanden nach Einführung der Komplettgießmaschinen – auf welcher nur die flachen Marken erzeugt werden konnten.
Fünf der großen Schriftgießereien praktizierten bis Anfang des
20. Jahrhunderts diese spezifische Schutzmarken-Tradition –
eine sogar bis kurz nach 1945.

Kurzer Auszug aus: «Gußmarken» von Georg Kandler

Gusmarkenfunde in der Buchdruckerei Nessing
Gefunden wurden hier viele Gußmarken aus dem Hause
J. G. Schelter & Giesecke, Schriftgießerei, Buchdruck-
Maschinenfabrik & Kunstanstalt für Hochätzungen, Leipzig:
(nach 1945 VEB Polygraph)
so genannte «Impfnarben» (hauseigener Terminus):
das Firmensignet in den Seitenflächen von Bleischriften,
Stirnseiten von Hohlstegen; und auf dem Kopf von
Ausschlußgevierten: das spiegelverkehrte Firmensignet,
auch als Stempel zu benutzen;

einige Gußzeichen der Firma
Wilhelm Woellmer's Schriftgießerei, Berlin SW:
das Firmensignet auf den Stirnseiten von Hohlstegen

und der Firma
Gundelach & Ebersbach, Ausschlußgießerei, Leipzig:
(ab 1902 Schriftgießerei Ludwig Wagner)
z. B. gezeichnet mit:
Spec. Gies. G & E D.R.G.M.-No. 47092

sowie nach dem Guß geprägtes Blindmaterial:
vereinzelte Teile der Fa. W. Kuhlisch

und viele «blinde» Gußmarkierungen sowie
andere, nicht identifizierbare Marken ...

Zusammenschluß der Schriftgießereien:
ab 1951–1991: VEB TYPOART Dresden
(mit VEB Schriftguß Dresden, vorm. Schriftguß KG)
ab 1945: VEB Polygraph
bis 1945: Schelter & Giesecke Leipzig

ab 1962: VEB TYPOART Dresden
ab 1902: Schriftgießerei Ludwig Wagner
bis 1902: Gundelach & Ebersbach Leipzig

Übrigens:
Gedruckt wird hier noch auf der Haltzylinder-Presse
«Wettläufer H A2», Bj. 1925; der Buchdruck-Maschinenfabrik
J. G. Schelter & Giesecke, Leipzig, Brüderstraße Nr. 26–28;
mit Zylinderfarbwerk und zwei Auftragswalzen usw.;
im Oktober 1925 gekauft für 6.647,– Reichsmarkt ...

Buchdruckerlied
«Purpur, gold, blau, silber der Kaiser uns gab,
und schwarz drucken uns're Lettern sich ab.
Frei ist die Kunst, frei ist der Mann!»

Gekrönte Handwerker
«Es dürfte allgemein bekannt sein, dass auf Grund alter Tradition in den meisten Herrscherhäusern alle männlichen Mitglieder einen bürgerlichen Beruf erlernen und die darin erworbene Kunstfertigkeit in den Mussestunden ihres eigenen verantwortungsreichen Postens als angenehme Abwechslung bethätigten.

Der verstorbene Zar Alexander III., der bekanntlich über ungewöhnliche Körperkräfte verfügte, fällte und bearbeitete mit grosser Vorliebe die grössten Bäume;
sein Sohn, der regierende Zar Nikolaus II., soll als praktischer Landwirt erstaunliche Erfahrungen besitzen und alle vorkommenden Hantierungen, einschliesslich des Melkens, vollständig kunstgerecht ausführen ...

Kaiser Wilhelm als Buchdrucker
Kaiser Wilhelm selbst hat indessen seinerzeit mehrere Monate in der bekannten Hofdruckerei von Trowitzsch & Sohn in Berlin die Buchdruckerkunst erlernt. Ob er ein Schweizerdegen geworden ist, kann der Schreiber dieses mit Bestimmtheit nicht behaupten; jedenfalls versteht aber seine Majestät, auf dessen Vielseitigkeit und klares Urteil unser Volk mit Recht stolz ist, auch mit dem Winkelhaken umzugehen und weiss auch sonst im Kunsttempel Bescheid.

Der Kaiser ist aber in dieser Beziehung nicht der einzige gekrönte Buchdrucker, denn schon Kaiser Franz von Österreich, der Gemahl Maria Theresia's arbeitete in seinen Mussestunden am Kasten und an der Handpresse, und die in Genf eines so tragischen Todes gestorbene Kaiserin Elisabeth, eine begabte Dichterin, hat ihre Dichtungen regelmässig eigenhändig gesetzt und gedruckt.
So wirkten noch eine große Anzahl von gekrönten Typographen in Europa.
Wir können mithin getrost behaupten, dass unsere Kunst längst hoffähig ist ...»

«Nicht so viel Druck, Majestät!» ...
mag der Oberfaktor Kuntze beim Betrachten des Probeabzuges wohl vermerkt haben, nachdem Seine Durchlaucht den Bengel der Kniehebelpresse überaus temperamentvoll angezogen hatte.

Erschienen in der
«Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker» No. 17-1900

(Die Einführung des ß in den Antiquaschriften wurde
am 23.3.1903 amtlich beschlossen)

Noch ein Druckerspruch:
«Gott grüß’ die Kunst ...»
geschissen ist nicht gebrunst
gebrunst ist nicht geschissen
DAS muß ein Buchdrucker wissen ...

Das verlorene Spatium.
Eine entSETZERliche Geschichte,
wie sie Pinneberg er- aber nicht überlebt hat.

Es hat der Setzer Pinneberg,
Was selten ist – ein gutes Werk.
Bekanntlich ist von solchen Werken
Jetzt beinah’ gar nichts mehr zu merken.

Weshalb er auch sehr thätig ist
Und alles Andere vergißt –
Bis just ihm das Malheur passiert,
Daß er sein Spatium verliert.

Nun wird ja Mancher vielleicht sagen,
Ein solches Unglück sei zu 'tragen;
Doch Pinneberg stimmt seine Liebe
Zur Ordnung ob des Vorfalls trübe.

Umsonst ist jegliches Beginnen –
Es will nicht gehen mit dem Pinnen –
Und sinnend legt er seine Hand
Unthätig auf des Kastens Rand.

Er muß nun endlich doch d'ran gehen,
Etwas genauer nachzusehen –
Doch in der Westentasche Falten
Ist dieses Spatium nicht enthalten.

Selbst in des Stiefels tiefsten Gründen
Ist von dem Spatium nichts zu finden,
Es will partout ihm nicht gelingen,
Das Rackerding ans Licht zu bringen.

Mit des Tenakels spitzem Eisen
Beginnt die Diel’ er aufzureißen,
Zu sehen ob in tiefster Tiefe
Am Ende gar das Spatium schliefe.

Jetzt will er mit geschmeid’gem Rücken
Flugs unter das Regal sich bücken –
Nun sieht man, wie in der Bedrängniß
Sich langsam nähert das Verhängniß.

Durch seines Körpers wucht’ge Schnellung
Kommt das Regal in schiefe Stellung
Und – was gewiß noch schlimmer war –
Auf einmal fällt es ganz und gar.

Die Wirkung war leicht abzusehen,
Was kommen mußt', das war geschehen –
Und unten drunter lag er jetzt –
Theils innerlich, theils schwer verletzt.

Natürlich ist nach solchen Leiden
Der Tod fast gar nicht zu vermeiden –
Er lag im Bett nur kurze Frist,
Woselbst er auch gestorben ist.

So gings dem armen Pinneberger
Und manchem Andern gehts noch ärger –
Auf seinem Grabe sieht man stehn
– Wie üblich – die drei Lilien.

Und die Moral von der Geschicht’:
Verliere nie kein Spatium nicht.

Verfasser dieser Chose war Albert Jaensch, 1882

«Du, Klaus, glaubst du an Schwarze Kunst?»
«Klar, seit ich die Kochkünste meiner Frau kennengelernt habe.»

Nessing
eine feine Sorte Schnupftabak
(Meyers Konversationslexikon, 1885)

Mount Nessing
in Mackenzie, New Zealand

Nessing Village
in Nepal

 

 

«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.» (Karl Valentin) – Handwerk auch! (Der Meister)